Presse - Artikel & Videos - Focus Money 08.02.2012

focus money

Seltene Erden

Merkel strebt Rohstoff-Deal mit Kasachstan an

Mittwoch, 08.02.2012
focusmoney selteneerdenWer Hochtechnologieprodukte herstellt, braucht dafür die sogenannten Seltenen Erden. Bundeskanzlerin Merkel will durch ein Abkommen mit Kasachstan Deutschland den Zugriff sichern – und wird dafür von
Menschenrechtlern scharf kritisiert
Angesichts des rasanten Wirtschaftswachstums in den
Schwellenländern der Welt wird der Kampf um Rohstoffe zusehends härter. Einen umstrittenen Schritt will am Mittwoch Deutschland gehen, um sich vor allem Zugang zu sogenannten Seltenen Erden zu verschaffen.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der wegen Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehende
kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew wollen ein Abkommen unterzeichnen, das deutschen Firmen die Suche und unter Umständen auch die Förderung der Materialien in dem zentralasiatischen Land erlauben soll.

Kasachstan ist reich an Öl, Gas, Gold und Uran
Die Rohstoffvorkommen Kasachstans gelten als die fünfgrößten der Erde. Das mit nur etwa 15,5 Millionen Einwohnern flächenmäßig neuntgrößte Land der Welt an der Ostküste des Kaspischen Meers ist vor allem reich an Öl, Gas, Gold und Uran.
Aber auch die zur Herstellung von Hochtechnologieprodukten eingesetzten Seltenen Erden sollen dort in großer Menge vorkommen.
Sie werden unter anderem für Smartphones, Windräder und Hybridmotoren benötigt. Derzeit bedient China rund 95 Prozent der weltweiten Nachfrage nach den begehrten Metallen. Diese exklusive Stellung lässt die Preise .

Allianz der Rohstoffsicherung
Ende Januar schlossen sich deswegen zwölf deutsche Unternehmen zu einer Allianz zur Rohstoffsicherung zusammen, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. Die Bundesregierung will nun mit dem zwischenstaatlichen Abkommen unterstützend tätig werden.
Ziel ist laut Bundeswirtschaftsministerium eine „Verbesserung des Investitions- und Innovationsklimas“. Nach einem will sie am Mittwoch beim Berlin-Besuch des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew eine ähnliche Allianz mit Kasachstan vereinbaren, hieß es in Regierungskreisen.

50 Verträge mit 4,5 Milliarden Euro Volumen
Die Zusammenarbeit im Rohstoffbereich soll verknüpft werden mit einem Beitrag deutscher Unternehmen zur Industrialisierung Kasachstans. Nasarbajew kündigte an, er werde bei seinem Besuch insgesamt 50 Verträge mit einem Gesamtvolumen von 4,5 Milliarden Euro unterzeichnen.
Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch und Amnesty International werfen Nasarbajews Regierung jedoch schwere Verfehlungen vor. Sie prangerten viele Fälle von Unterdrückung Oppositioneller an – zuletzt bei der Niederschlagung eines Ölarbeiterstreiks im Dezember. Und internationale Beobachter hatten nach der Parlamentswahl von Mitte Januar Verstöße gegen demokratische Grundprinzipien kritisiert.

Nasarbajew gilt als kalter Machtpolitiker
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht präsentierte sich Nasarbajew bereits mehrfach als kalter Machtpolitiker. Die Förderung von Bodenschätzen hatten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor allem westliche Firmen übernommen.