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Studie zur Rohstoffversorgung der Hightech-Industrie im Jahr 2030

Für die IT-Industrie ist es das "anthrazitfarbene Gold": Coltan-Erz, aus dem sich das Metall Tantal gewinnen lässt, das wiederum bei der Herstellung von Kondensatoren für die Mikroelektronik benötigt wird. Laptops, Spielkonsolen, Handys, Kameras – überall ist das seltene Element enthalten.
Aber auch bei der Produktion von Flugzeugmotoren, Kraftwerksturbinen und selbst in der Raumfahrtindustrie wird Tantal eingesetzt – und der Bedarf steigt kontinuierlich.
Laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Auftrag gegebenen Studie, die Ende vergangener Woche in Berlin vorgestellt wurde, wächst die Nachfrage nach Tantal allein im Bereich der sogenannten Zukunftstechnologien bis zum Jahr 2030 um 158 Prozent. Berechnet haben diesen Wert Wissenschaftler des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), die die Studie "Rohstoffe für Zukunftstechnologien" für das BMWi verfasst haben.

Bewertet wurden dabei zunächst knapp 100 Zukunftstechnologien hinsichtlich Stand der Technik, Marktreife, Rohstoffbedarf und Recyclingpotenzial. Davon wurden dann 32 Einzeltechnologien vertieft analysiert. Anschließend wurde der für das Jahr 2030 zu erwartende Rohstoffbedarf quantitativ abgeschätzt. Zu den analysierten Zukunftstechnologien gehörten unter anderem die Informations- und Kommunikationstechnik, optische Technologien, Energie-, Elektro- und Antriebstechnik, Medizintechnik, Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrt und Werkstofftechnik.
"Eine Reihe von Zukunftstechnologien ist auf bestimmte seltene Metalle so stark angewiesen, dass ihr massenhafter Ausbau durch Rohstoffengpässe bedroht ist", warnt Lorenz Erdmann, Experte für seltene Metalle beim IZT. Zu den betroffenen Technologien gehören laut dem wissenschaftlichen Direktor des IZT, Rolf Kreibich, etwa "Brennstoffzellen (Platin, Scandium), Hybrid- und Elektrofahrzeuge (Neodym), Elektrooptik (Gallium, Germanium, Indium), Dünnschicht-Photovoltaik (Gallium, Indium, Tellur) und Mikroelektronik (Gallium, Tantal)".
Problematisch werde es insbesondere, wenn gleich mehrere Industriezweige auf den gleichen Rohstoff zugreifen, verdeutlicht Erdmann am Beispiel Indium: "Sowohl die Display-Industrie als auch Photovoltaik-Hersteller  konkurrieren um das besonders knappe Hightech-Metall. Indium wird für die transparenten Elektroden auf den Flachbildschirmen und auch für Kupfer- Indium-Gallium-Diselenid-Solarzellen (CIGS) benötigt."

Die Berechnungen für Indium hätten ergeben, dass im Jahr 2030 die Nachfrage voraussichtlich mehr als das Dreifache der heutigen Produktion betrage, heißt es – mit Nachteilen für die Photovoltaik- Hersteller. Denn bei diesen fallen die zu erwartenden Preissteigerungen deutlich stärker ins Gewicht, weil sie viel mehr davon benötigen als Display-Hersteller. "Unabhängig davon, welche Photovoltaik-Technologie sich durchsetzt, rechnen wir damit, dass Rohstoffengpässe den massenhaften Ausbau der Solarenergie begrenzen werden", lautet eine klare Aussage der Studie. Für Gallium, das auch bei der Dünnschichtphotovoltaik-Technik und für schnelle integrierte Schaltungen benötigt wird, haben die Wissenschaftler berechnet, dass der Bedarf im Jahr 2030 voraussichtlich das Sechsfache der heutigen Minenproduktion betragen könnte. Und auch die Automobilbranche muss sich auf mögliche Engpässe einstellen: "Das von den Herstellern von Elektroantrieben dringend benötigte Metall Neodym wird im Jahr 2030 zirka 3,8 mal mehr nachgefragt sein als es die Minenproduktion heute hergibt."
Auswirkungen dürften die Ergebnisse der Studie nicht zuletzt auf wirtschafts- und außenpolitische Entscheidungen der Bundesregierung haben. So liegen etwa mehr als 70 Prozent der Indium-Reserven in China und auch die Förderung von Seltenen Erden wie Neodym wird mit 97 Prozent der Weltproduktion vom Reich der Mitte dominiert. Andere seltene Metalle wie Kobalt und Tantal kommen in politisch instabilen Regionen wie Zentralafrika vor.
Die Studie "Rohstoffe für Zukunftstechnologien" kann für 39 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-8167-7957-5). (pmz)

indium